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 Gute alte Zeit und so...

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BeitragThema: Gute alte Zeit und so...   Mo Jan 03, 2011 1:21 pm

Zitat natrix

Zitat :
Ich muss Dich enttäuschen, aber zweimal im Jahr Wäsche waschen gab es bei uns wahrscheinlich nie. Zumindest nicht in der Landbevölkerung, die kaum viel Wäsche zum Wechseln besaß. Meines Wissens war normalerweise einmal die Woche Waschtag, vielleicht auch manchmal alle 2 Wochen. Und das machte vor allem deshalb Sinn, weil schon allein das Gewinnen der Waschlauge aus Holzasche ziemlich viel Zeit in Anspruch nahm, dazu dann noch das Weichen, Waschen, Schrubben, Spülen, Stärken, Wringen, Bleichen, Hängen, Glattziehen, Bügeln, Legen... Waschen hieß nicht, einmal auf den Waschmaschinen- und einmal auf den Trocknerknopf drücken- das hieß einen ganzen Tag schwere körperliche Arbeit und passt nun wirklich nicht so sehr in eine Zeit der Besinnung, Innenschau, des Träumens. D a s steckt meines Erachtens hinter dieser Regel. Wir sollen möglichst in den Rauhnächten den Kopf frei haben, nichtbeendete anstrengende Verpflichtungen sollten uns jetzt nicht belasten, jetzt ist Zeit zum Sitzen am Kamin, zum Geschichtenerzählen, zum Feiern, zum Singen, zum sich Erinnern, Träumen und Visionen entwickeln- eine Zeit außerhalb unseres oft anstrengenden Alltags.

Ich muss zugeben, ich neige dazu, total überflüssiges Wissen anzuhäufen Verlegen aber ich hab mal tatsächlich eine wissenschaftliche Untersuchung über Haushaltsführung in Zeiten ohne Strom und moderne technische Geräte gelesen. Leider weiß ich den Autor nicht mehr (jaja, ich weiß schon, kann jeder behaupten^^) - Fazit war, dass sich der Arbeitsaufwand für das Waschen von Wäsche, in Stunden betrachtet, insgesamt kaum verringert hat. Früher gab es ein Sonntagsg'wand für Festtage, und alle haben für die dreckige Arbeit Schürzen und dergleichen übergezogen. Unterhosen gab es keine, Hemden wurden nicht täglich gewechselt und tatsächlich lag in den Schränken der meisten Haushalte (abgesehen von der sehr armer) Wäsche für Monate herum. Leute, die häufig waschen mussten, weil sie zuwenig Wäsche hatten, wurden bemitleidet. Wenn Waschtag war, wurde tagelang nichts getan als die aufgehäuften Wäschberge bearbeitet, und zwar von den meist größeren Haushalten gemeinsam. Die Anforderungen in der Öffentlichkeit an sauberes Aussehen waren nicht so hoch wie heutzutage, und die Leute gingen mit ihrer Wäsche sorgsamer und sparsamer um. Fazit war jedenfalls, dass mit den angeblich so zeitsparenden Haushaltsgeräten die Ansprüche an das Auftreten und die Sauberkeit derartig gestiegen sind, dass die eingesparte Zeit wieder flöten ging...

Tja, und da kamen mir prompt gedankliche Parallelen zur Einführung des PC's und des Internet - hat uns das seitdem irgendwie Zeit gespart? Wenn ich bedenke, wieviel Zeit in Arbeitszusammenhängen mit der endlosen Bearbeitung, Beantwortung und Forumulierung nebensächlicher e-mails verplempert wird, mit welchem elektronischen Dingsbums man täglich konfroniert wird - ausdrucken muss man den Kram dann doch, denn der Kasten könnte abstürzen, das Backup nicht funktioniert haben, und was dann... wie oft die Dinger gewartet, überprüft, virengescannt und neu gekauft werden müssen und welche Werbeflut uns in allen Zusammenhägen um die Ohren gehauen wird, kann man kaum von einer Arbeits- und Zeitersparnis reden Rolleyes

Und das sagt jemand, der seinen PC liebt...
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natrix



Anzahl der Beiträge : 143
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BeitragThema: Re: Gute alte Zeit und so...   Mo Jan 03, 2011 7:32 pm

Mit Deiner Einschätzung des Gesamtaufwandes und der Gemeinschaftsarbeit hast Du mit Sicherheit Recht. Ein Unterschied zu früher ist das heutige absurde Verhältnis von Sauberkeit drinnen und draußen: Ein großer Teil der Menschen findet es heute offenbar erstrebenswert, mit blütenweißen Hemden an dreckigen Flüssen stehen zu können...
Was die "Zeitersparnis"in der modernen Welt betrifft, muss ich gerade -lach nicht- an Tarzan denken. Hab ich mal als Jugendliche gelesen und natürlich auch gesehen- und da gibt es eine Stelle, die hat mich damals nachdenklich gemacht, wo er versucht, Zivilisation zu verstehen, so in etwa: Ihr geht also den größten Teil des Tages arbeiten, obwohl es Euch nicht viel Spaß macht, denn ihr müsst Geld verdienen. Das Geld braucht ihr, um Nahrung, Wohnung und all das, was ihr zum Leben braucht, von anderen zu kaufen, weil ihr nicht selbst für euch jagen, sammeln oder ein Haus bauen könnt... Ihr sagt, Zeit ist Geld, denn wer mehr Zeit mit Arbeit verbringt, kann mehr Geld verdienen. Wer viel Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen, um nichts mehr selbst machen zu müssen und Zeit zu sparen. Wer ganz viel Geld hat, gewinnt also viel Zeit- um was zu tun? Um sie totzuschlagen oder zu vertreiben. Warum wollt ihr Zeit sparen, wenn ihr nichts mit ihr anfangen könnt?
Eine etwas gründlichere, aber ebenfalls unterhaltsame Auseinandersetzung in recht jugendlichem Stil findet sich im Buch des aztekischen Autors Xokonoxtletl (kann sein, dass ich den Namen nicht fehlerfrei geschrieben habe): "Ansichten eines Wilden über die Zivilisation"
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BeitragThema: Re: Gute alte Zeit und so...   Sa Jan 08, 2011 2:31 pm

Es geht noch schlimmer. Als die Computer kamen, hieß es noch, jetzt kann Papier eingespart werden. Doch seither häufen sich überflüssige Ausdrucke und Papier in nicht gekanntem Ausmaß. Auch in meinem Beruf war es früher so, ein Vertrag wurde mit bis zu 4 oder 5 Durchschlägen getippt, weitere wären unleserlich gewesen. Und das wars. Die Verträge war knapp auf drei, vier Seiten formuliert. Heute mit Schönschrift und extra Zeilenabstand um die 10 Seiten und mehr, und Kopien selten weniger als 10.

Und noch mal Arbeitszeit: als die Krankenkassen endgültig auf elektronischen Verkehr umstellten da hat zumindest eine Bekannte einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Die elektronischen Nebenarbeiten wurden so umfangreich, daß der Arzt eine neue Halbtagskraft brauchte. Und der wird sicher nicht der einzige gewesen sein.

Ich kenne aber auch Arbeitsplätze, die durch Computer weggefallen sind. Mal so, mal so.
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