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 Eine kleine Einführung in den Shin-tō

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Cassandra

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BeitragThema: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Fr Sep 14, 2012 8:14 pm

Ich dachte mir, da es hier ja auch um Religion im ganz Allgemeinen geht, dass ich doch mal eine kleine Einführung über den Shin-tō schreiben könnte. Über meine Mutter bin ich christlich getauft worden und über meinen Vater bin ich schon sehr früh mit dem Shin-tō in Berührung gekommen. Für mich war es nie ein Problem, mit zwei Religionen aufzuwachsen und wenn man sich das Wesen der shintoistischen Religion ansieht, wird auch recht schnell deutlich, warum das so ist.
Da man in Bezug auf den Shin-tō im weitesten Sinne auch von einer "Naturreligion" sprechen kann, passt er hier auch ganz gut ins Forum - hoffe ich wenigstens.
Sollte das Thema hier nicht rein passen, so kann unser Admin das Ganze auch gern wieder rauswerfen (ich werde auch ganz bestimmt nicht die nächsten drei Wochen durchheulen ... Zwinker ).


Shintoismus – eine kleine Einführung

Der Begriff Shin-tō ( 神道 ) hat seine Wurzeln im chinesischen Sprachraum. Rein japanisch spricht man aber auch von Kami no michi („Weg der Götter“).
Die Ursprünge des Shintoismus finden sich in einer umfassenden Sammlung mythologischer Überlieferungen der sog. Sam-bu-hon-sho („Die Drei Hauptbücher“), die – wie der Titel schon sagt – aus drei Büchern besteht wobei das älteste in etwa auf 620 n. Chr. datiert werden kann. In diesen Büchern wird von der Entstehung der Welt, der Götter und dem Ursprung der religiösen Bräuche und Rituale erzählt. Da dies alles (verständlicherweise) etwas umfangreich ist, lasse ich das hier mal weg …

Der Shin-tō wird eigentlich nur in Japan selbst praktiziert und dürfte für „Außenstehende“ ein wenig verwirrend sein. Grund hierfür ist vor allem das Fehlen von schriftlich festgehaltenen und allgemein gültigen Geboten bzw. Dogmen – so wie sie beispielsweise im Christentum oder den anderen großen Weltreligionen üblich sind.
Auch eine Unterscheidung zwischen Gut und Böse, so wie es in vielen westlich geprägten Religionen üblich ist, gibt es im Shin-tō so nicht.
Übrigens stammt der japanische Kaiser laut dem oben schon erwähnten Schöpfungsmythos von der Sonnengöttin Amaterasu ab und gilt auch als oberster Shin-tō - Priester. Mitte des 19. Jh. wurde er im Zuge der Öffnung Japans zum Westen hin sogar zu einer shintoistischen Gottheit. Erst nach der Kapitulation Japans im 2. Weltkrieg wird dem Kaiser diese Göttlichkeit abgesprochen.

Gottheiten im Shin-tō

Gott hat im Shin-tō eine andere Bedeutung, als in den westlichen Religionen. Im weitesten Sinne kann man den Shin-tō als Naturreligion mit dem besonderen Schwerpunkt Ahnenkult bezeichnen. Man spricht hier von den Kami – sie sind höhere Wesen, denen der Mensch Ehrfurcht und Respekt entgegenbringen muss.
Es gibt keine eindeutige Zahl, wieviele Kami existieren. In der bereits erwähnten mythologischen Sammlung wird immer wieder von yao yorozu gesprochen, dass übersetzt „acht Millionen“ bedeutet – quasi eine andere Bezeichnung für unzählbar.
Neben der Existenz der alten Götter stellt man sich vor, dass die ganze Natur von Kami bevölkert ist: letztlich wird alles, was die Seele des Menschen berührt, als göttlich betrachtet – die Sonne, der Mond, Berge und Flüsse, Feuer aber auch „besondere“ oder auffällige Tiere, Steine, Bäume, Naturphänomene etc.. Und auch manche Menschen selbst (die verstorbenen Ahnen zum Beispiel), können zu Kami werden. Hin und wieder werden auch Gottheiten anderer Religionen in den Pantheon aufgenommen; so wird beispielsweise der christliche Gott von manchen Gläubigen als Kami verehrt.
Von daher nennen viele Japaner ihr Land auch Shinkoku d.h. „Land der Götter“ …

Überzeugung oder Lehren des Shin-tō

Zu den mehr oder weniger vorhandenen Grundsätzen oder Überzeugungen im Shin-tō gehören u.a.:
1.) Kami sind, wie gesagt, höhere Wesen, denen der Mensch Ehrfurcht und Respekt entgegenbringt, aber sie sind dennoch der menschlichen Natur nicht völlig wesensfremd. Auch sie machen Fehler und sind keineswegs perfekt. Hieran sieht man auch wieder, dass es keinen Anspruch auf die absolute moralische Integrität gibt. Ob eine Tat bewunderungs- oder verabscheuungswürdig ist, hängt vom Kontext ab – man betrachtet sozusagen das Große Ganze und urteilt dann. Als schlecht oder unwürdig wird in der Regel alles betrachtet, was die Harmonie des Gesamten stört.

2.) Die eben erwähnte Harmonie ist ein zentrales Element im Shin-tō – in diesem Sinne soll in allen Dingen (d.h. im privaten Umfeld, bei zwischenmenschlichen Beziehungen aber auch im ganz Allgemeinen) Rücksicht geübt und Hilfe geleistet werden, wenn es notwendig ist.
Man könnte sagen, Solidarität gilt als einer der wichtigsten Faktoren im gemeinschaftlichen Zusammenleben.

3.) Reinheit ist oberstes Gebot – und die Reinigung des Körpers aber auch die spirituelle Reinigung durch spezielle Zeremonien ist ein fester Bestandteil bei der Praktizierung des Shin-tō. Besondere, im Allgemeinen von Priestern, durchgeführte Reinigungsrituale dienen aber auch zum Schutz vor Gefahren – die als Störung der Harmonie und damit auch als unrein betrachtet werden. Darüber hinaus spielen Schreine als Wohnsitz der Kami eine besondere Rolle im Shin-tō und werden regelmäßig langwierigen und sehr umfangreichen Reinigungszeremonien unterzogen. Da es sich hier aber um ein eigenes Thema handelt, lasse ich das jetzt mal außen vor.


So, das war jetzt ein kleiner Einblick in die Welt des Shin-tō. Wenn Interesse an mehr Information besteht – sei es bezüglich der Gottheiten, der Schreine oder zu irgend einem anderen Bereich – dann liefere ich das gerne nach.



Quellen:
Ernst Lokowandt, Shintō. Eine Einführung (Iudicium-Verlag / München, 2001)
Friedrich Heiler, Die Religionen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart (Reclam-Verlag / Stuttgart 1959)
Franz Carl Endres, Die großen Religionen Asiens. Eine Einführung in das Verständnis ihrer Grundlagen (Rascher-Verlag/ Zürich 1949)
Haruki Kageyama, The Arts of Shinto (Weatherhill-Verlag/ New York, Tokyo 1973)
Sokyo Ono, Shinto (Rutland, Tuttle/ 1973)
Masahide Miyasaka, Shinto und Christentum (Bonifatius/ Paderborn 1994)
Toshio Kuroda, Shinto in the History of Japanese Religion; in: Journal of Japanese Studies 7/ 1 (1981)
Shinto Online Network Association: Jinja Shinto: Sins and the Concept of Shinto Ethics
bbc.co.uk: BBC - Religion & Ethics - Shinto Ethics -

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BeitragThema: Re: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Fr Sep 14, 2012 9:43 pm

Ah,ich wollte auch immer mal was zu dem Thema schreiben,kam mit meinen Recherchen aber nicht aus den Puschen.Vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag :)

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BeitragThema: Re: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Fr Sep 14, 2012 9:50 pm

Gerne :) .
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BeitragThema: Re: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Mi Sep 26, 2012 12:59 pm

Zitat :
Wenn Interesse an mehr Information besteht – sei es bezüglich der Gottheiten, der Schreine oder zu irgend einem anderen Bereich – dann liefere ich das gerne nach.

Das Angebot muss ich in meiner Matschigkeit an dem Tag vollkommen übersehen haben,au wei.Deshalb komme ich einfach mal jetzt darauf zurück und würde mich freuen wenn du demnächst Zeit und Lust hättest,mehr auf die Götter des Shinto einzugehen :)

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BeitragThema: Re: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Mi Sep 26, 2012 4:39 pm

Aber gerne! Ich werd´ mal sehen, ob ich es diese Woche noch schaffe; falls nicht, dann im Laufe des Wochenendes.
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BeitragThema: Re: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Mi Sep 26, 2012 6:38 pm

Nur keinen Stress =)

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BeitragThema: Re: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Mo März 17, 2014 2:16 pm

*push*

Wie siehts aus, Cass? Ich glaub du hast gerade viel zu tun, oder? Würd mich aber freuen wenn du doch noch demnächst Zeit dafür finden würdest  :) 

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BeitragThema: Re: Eine kleine Einführung in den Shin-tō    Mo März 17, 2014 3:06 pm

Silas schrieb:
*push*
Wie siehts aus, Cass? Ich glaub du hast gerade viel zu tun, oder? Würd mich aber freuen wenn du doch noch demnächst Zeit dafür finden würdest  :) 

Puh, wann hatte ich gesagt, dass ich mich dem Thema am Wochenende widmen wolle? 26. September 2012 ...  Rot werd  War ein langes Wochenende ... ^^
Aber ich werde mich auf die Socken machen.
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